
„Transparenz ist die Grundlage jeder freien Kaufentscheidung. Die Abgeordneten im Europäischen Parlament können dies durch ihre Stimme sicherstellen, indem sie sich im Mai für die Kennzeichnung von Produkten aus neuen gentechnischen Verfahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette einsetzen.“
Markus Leithner, Strategische Leitung Enkeltaugliches Österreich (ETÖ)
Wien / Brüssel, 22.04.2026
Lebensmitteltransparenz in Gefahr! Nach Ministerratsbeschluss: Jetzt kann nur mehr das Parlament Gentechnik-Kennzeichnung sichern
Mit der Einigung (1) im Rat der EU zur Regulierung neuer Gentechnik steht ein zentrales Prinzip der europäischen Lebensmittelpolitik unter Druck: die verpflichtende Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Österreich hat gemeinsam mit Ungarn, Slowakei, Slowenien, Rumänien und Kroatien gegen den Vorschlag gestimmt.
Der aktuelle Entwurf sieht vor, einen Großteil der mit sogenannter „neuer Gentechnik“ erzeugten Pflanzen künftig von Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Risikoprüfung auszunehmen. Damit würde das Informationsniveau für Verbraucher:innen deutlich gesenkt. Jetzt ist das Europäische Parlament am Zug, das voraussichtlich am 19. Mai über den Vorschlag abstimmen wird.
Umfragen zeigen seit Jahren (2), dass über 85 % der EU-Bürger:innen eine Kennzeichnung von Gentechnik in Lebensmitteln fordern – einschließlich sogenannter „neuer“ Gentechnik. Dennoch plant die EU, diese für den Großteil der „neuen Gentechnik“ abzuschaffen. Als Reaktion darauf haben sich über 50 europäische Organisationen zu einer internationalen Kampagne zusammengeschlossen: „Blacked-Out Ingredients — Label gene-edited food!“. Sie fordern die Beibehaltung der verpflichtenden Kennzeichnung neuer Gentechnik. (3)
Im Zentrum der Kampagne steht eine klare Botschaft: Verbraucher:innen haben ein Recht darauf zu wissen, was in ihrem Essen steckt. „Es gibt keinerlei Rechtfertigung dafür, die Transparenz bei Lebensmitteln zu verringern und neue Gentechnik von der Kennzeichnung auszunehmen.“, meint Anne Flohr, Geschäftsführerin der Biodynamic Federation Demeter International (BFDI).
Andreas Höritzauer, Obmann von Demeter Österreich: „Es geht hier um die Zukunft unserer Landwirtschaft, um die Biolandwirtschaft als solche, und vor allem auch darum, dass die europäischen Konsumentinnen und Konsumenten auch weiterhin wissen, was in ihren Lebensmitteln enthalten ist.“
Barbara Riegler, Obfrau von BIO AUSTRIA: „Geschwärzte Zutaten: das ist keine Kampagne, das ist bald Realität, wenn der vorliegende EU-Gesetzesvorschlag zur Neuen Gentechnik in Kraft treten sollte. Für unsere Bio-Bäuerinnen und Bauern ist die Sache klar: Auch die neue EU-Regelung sieht vor, dass Bio weiterhin gentechnikfrei bleibt. Das ist unverhandelbar. Doch das Recht zu wissen, was man isst, muss für alle gelten. Wer auf Gentechnik verzichten will, muss Gentechnik erkennen können.“
Auch Florian Faber, Geschäftsführer der ARGE Gentechnik-frei, schlägt Alarm: „Wer Transparenz bei den Lebensmitteln abbauen will, torpediert die gefragten Märkte der Gentechnik-freien und biologischen Produktion. Ohne Kennzeichnung wird Wahlfreiheit zur Illusion – Konsumentinnen und Konsumenten können sich nicht mehr bewusst gegen Gentechnik entscheiden“
Alexandra Seyer-Gmeinbauer, Gaumen Hoch: „Konsument:innen haben ein Recht auf Transparenz und Wahlfreiheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Fällt diese Kennzeichnung weg, schwächt das auch die heimische Landwirtschaft – indem man ihr einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil in einem globalen Marktumfeld wegnimmt, das vor allem mengen- und preisbestimmt ist.“
Wolfgang Plaimer, Geschäftsführer von Erde & Saat: „Wir als Biobäuerinnen und -bauern wollen gentechnikfreies Saatgut verwenden. Wir wollen keine stärkere Marktkonzentration, keine wachsenden Abhängigkeiten und keinen Verlust an Vielfalt. Stattdessen fordern wir wirksame Regulierung, fundierte Risikoabschätzung und verpflichtende Kennzeichnung. Nur so bleiben Entscheidungsfreiheit, Vielfalt und eine zukunftsfähige Bio-Landwirtschaft für uns alle gesichert.“
„Transparenz ist die Grundlage jeder freien Kaufentscheidung. Die Abgeordneten im Europäischen Parlament können dies durch ihre Stimme sicherstellen, indem sie sich im Mai für die Kennzeichnung von Produkten aus neuen gentechnischen Verfahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette einsetzen.“ betont Markus Leithner, Strategische Leitung Enkeltaugliches Österreich (ETÖ)
Daher fordern wir gemeinsam: verpflichtende Kennzeichnung, lückenlose Rückverfolgbarkeit, kein Freifahrtschein für Patente auf Pflanzen. Österreich ist Vorreiter in der gentechnikfreien Landwirtschaft und hat im EU-Rat klar Nein gesagt. Jetzt liegt es in der Verantwortung der Abgeordneten zum EU-Parlament, diese Haltung zu bekräftigen und die Gentechnikfreiheit zu schützen.
Demeter Österreich
BIO AUSTRIA
ARGE Gentechnik-frei
Gaumen Hoch
Erde & Saat
Enkeltaugliches Österreich
Hintergrund: Was die Deregulierung der Gentechnik vorsieht
Nach geltendem EU‑Recht unterliegen gentechnisch veränderte Organismen strengen Vorgaben, darunter Risikobewertung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung.
Der neue Gesetzesentwurf würde diese Regeln für den Großteil der sogenannten „Neue genomische Techniken“ (NGTs) deutlich abschwächen.
Nächste Schritte
Nach der Einigung im Trilog am 3. Dezember 2025 und der gestrigen Abstimmung im Rat, wird der Entwurf voraussichtlich am 19.Mai dem Plenum des Europäischen Parlaments vorgelegt.
Setze ein Zeichen und unterstütze das Anliegen – schreibe den österreichischen Abgeordneten:
https://www.bio-austria.at/a/konsument/gentechnikfreiheit-in-gefahr/
Weiterführende Links:
2) https://www.blacked-out-ingredients.eu
3) https://extranet.greens-efa.eu/public/media/file/1/6912
Rückfragehinweis:
Pressekontakt – Blacked-Out-Ingredients
Birgit Heinrich, Demeter Österreich, birgit.heinrich@demeter.at, Tel.: +43 1 879 47 01
International hello@blacked-out-ingredients.eu